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Eine Weisheit, die schon in der Griechischen Antike von den Philosophen propagiert wurde.
Aber auf wie vielen Ebenen man sich selbst erkennen kann, ist bis heute ungewiss.
Ich persönlich denke, dass es eine der schwierigsten Aufgaben im Leben ist, sich selbst zu erkennen, und dass es wahrscheinlich eher als dynamischer Prozess angesehen werden kann, als dass es ein statisches Bild ist. Und ich denke, dass nirgendwo die Aussage besser zutrifft als bei der Selbsterkenntnis: Man kann nichts beobachten ohne dass es sich verändert.

Aber trotzdem oder gerade deshalb ist es persönlich die gewinnbringendste Erfahrung, die Ihnen wirkliche Macht verleiht.
Ich weiß, dass es manchen bei dem Wort "Macht" sauer aufstößt, und deshalb möchte ich jetzt klarstellen was Macht für mich bedeutet: Für mich ist Macht gleichzusetzen mit Selbstdisziplin. Die meisten Menschen denken, wenn man über andere Menschen herrscht oder sie von einem abhängig sind ist man mächtig. Deshalb sehen sie Macht als etwas Egoistisches an. Ich dagegen halte es eher mit Lao Tse, der vor tausenden von Jahren schon sagte:
Wer viel über andere weiß, ist vielleicht gebildet, aber wer sich selbst kennt ist klug. Wer andere beherrscht ist vielleicht mächtig, aber wer sich selbst beherrscht ist noch viel mächtiger.

Die Buddhisten behaupten ja, dass das "Selbst" eine Art Fiktion ist. Angenommen es ist, oder wäre so, dann müssten wir eine Fiktion identifizieren.

Aber, egal ob Fiktion oder dynamischer Prozess, jenseits aller Aspekte um das "Selbst" gibt es einen universell "richtigen" Gesichtspunkt: All unser Wissen über die Äußere Welt, unsere Umwelt, wurzelt in dem was eben das "Selbst" ist.
Wir projizieren unsere Meinungen über das Selbst auf die äußere Umwelt.
Was ich damit meine?

Ich nehme am besten ein Beispiel aus dem Leben, was mir kürzlich selbst passiert ist:
Vor ein paar Wochen brauchte ich ein bestimmtes Softwareprogramm. Nach ein paar Stunden googeln hatte ich drei Anbieter in der engeren Auswahl. Also, rief ich als erstes den Anbieter an, von dem ich glaubte wir würden am ehesten ins Geschäft kommen. Es war auch gleich der Chef persönlich am Apparat – was mir sehr sympathisch war. Er stellte mir ein paar Fragen, wozu und wie ich die Software einsetzten will. Und dann kam etwas, dass bei mir die Alarmglocken läuten lies. Es passte alles, aber er erzählte mir unter welchen Bedingungen ich nicht der richtige Kunde wäre! Auf mein Aha hin erzählte er mir, dass sie meisten ihn anrufen und "stören" und dann doch nicht die richtigen Kunden für ihn sind. Und, dass sein Geschäft zurzeit auch nicht gut läuft. Dann erzählte er mir auch noch, dass viele Kunden unzuverlässig sind usw. (ich glaube nämlich, dass Unternehmer die unzuverlässige Kunden haben selbst unzuverlässig sind) Ich fragte ihn dann noch nach einer Firma, die er auf seiner Webseite bewirbt, und als Antwort bekam ich, dass diese Firma unzuverlässig sei und einige Sachen nicht funktionieren usw.. Letztendlich habe ich dann gesagt ich müsste es mir noch einmal überlegen und habe nicht gekauft. (Bin aber bei der Firma die er auf der Webseite bewirbt Kunde geworden – und sehr zufrieden)
Ich habe dann den zweiten Anbieter angerufen in der Hoffnung, dass das dieser nicht noch so ein Antiverkäufer ist. Auch hier habe ich mit dem Chef gesprochen, aber der war völlig anders als der erste. Er fragte mich auch wie ich das Programm einsetzten wollte und dann erzählte er mir von den guten Kontakten die er zu seinen Kunden hat, wie der eine oder andere Kunde seine Probleme damit lösen konnte usw. – Glauben Sie, dass ich noch den dritten auf meiner Liste anrufen musste? Nein, ich bin sofort Kunde geworden.
Was ich damit meine: Wir projizieren von uns selbst heraus unsere Umwelt. Wir erleben nicht die Außenwelt, sondern wir interpretieren diese und machen diese nach unserer Erkenntnis zu unserer Wahrheit!
Wenn ich diesen Fall kurz zerlege: Ich hatte drei Favoriten A, B und C. A hatte den mittleren Preis (womit ich jetzt wahrscheinlich allen Verkaufspsychologen eine Freuden mache, weil ich wie Standart Ottonormalkäufer handle und den mittleren Preis wähle;-) und ich rief ihn zuerst an. B war der teuerste. Bei ihm kaufte ich. C der billigste hatte gar keine Chance zu verkaufen, denn ich hatte bei B schon fast ein schlechtes Gewissen so viele Erleichterungen für so wenig Geld zu bekommen. B sagt die Welt ist schön meine Kunden sind zufrieden – und sie sind es auch. A sagt die Welt ist schlecht meine Kunden sind unzufrieden und unzuverlässig, das Geschäft läuft nicht keiner will kaufen – und auch er hat recht – bis auf keiner will kaufen. Ich denke jeder will kaufen – nur nicht bei ihm. Mich würde auch die Projektion von C interessieren – vielleicht hat er wenig Kunden, diese sind vielleicht auch sehr zufrieden und er denkt, dass es an der Marktlage liegt, dass er so wenig verkauft obwohl er ja billiger ist als seine Mitbewerber. Wer weiß? ...

Deshalb kann es oft sein, dass wir in Bezug auf uns selbst und unsere Wahrnehmung völlig daneben lieben, aber uns trotzdem erfolgreich in der Außenwelt bewegen können, und uns mit unseren Mitmenschen verständigen können, obwohl wir und im Rahmen falscher Annahmen bewegen.

Und es kann manchmal sogar besser sein keine, oder eine Falsche Selbsterkenntnis zu haben. Das wiederum bestätigt die These wie zu anfangs geschrieben, dass die Selbsterkenntnis dynamisch ist, und deshalb kann sie von einer falschen zur richtigen werden!

Aber was sind die Regeln der Selbsterkenntnis?
Was ist also das Selbst?
Welche Informationen gewinnen wir, wenn wir die Philosophie "Erkenne dich selbst" verfolgen?

Natürlich ist es unmöglich der Weisheit letzten Schuss hier in diesem Letter zu beantworten. Das schaffen nicht einmal die Bibliotheken, die mit Büchern zu diesem Thema gefüllt sind. Das was ich Ihnen geben will, ist auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Ich glaube, dass es kein Patentrezept gibt um sich selbst zu erkennen. Das habe ich im letzten Letter auch schon durch die Aussage ausgedrückt, dass das Selbst etwas Dynamisches ist. Ich habe mich über die Zuschriften sehr gefreut, weil ich dadurch gemerkt habe wie viele Menschen sich mit diesem Thema auseinander setzten und auch dadurch ein Stück weit Probleme haben. Deshalb möchte ich heute eine Möglichkeit ansprechen, die Ihnen hilft mehr Stabilität zu bekommen.

Um sich selbst zu erkennen muss man auch seine Umwelt erkennen können!

Wenn wir uns selbst Erkennen oder Erkunden wollen, brauchen wir immer einen Bezug zu etwas. Wir sind etwas, immer in Bezug zu etwas anderem. Wir sind groß! Damit können wir nur etwas anfangen wenn wir einen Bezugspunkt haben. Ein Asiat ist mit 175 ein Riese – zu anderen Asiaten. In Deutschland ist ein Mann mit 175 cm nicht bei den "Großen" angesiedelt. Also wir erkunden nicht die Außenwelt objektiv, sondern wir erkunden wie wir die Außenwelt erleben - subjektiv.
Jeder hat seinen eigenen Charakter, seine eigene Organisation wie er seine Umwelt (sein Universum) wahrnimmt.

Adaptationsbasis: als Basis der Selbsterkenntnis.

Um uns wirksam selbst zu erkennen müssen wir zunächst einsehen und begreifen, dass wir alle die Welt auf unterschiedliche Weise wahrnehmen. Dieses Wissen sollte uns immer bei der Selbsterkenntnis leiten.
Jeder Mensch hat sehr subjektive und individuelle Sinneswahrnehmungen und Reizschwellen.
Haben Sie jemals das Gefühl gehabt, dass jemand anderes Sie nicht verstanden hat oder umgekehrt, obwohl Sie die gleiche Muttersprache sprechen?
Der Grund liegt darin, dass Sie nicht die gleiche Adaptationsbasis hatten. Das ist das Hauptproblem der zwischenmenschlichen Interaktion. Niemand weiß wie die Welt wirklich ist. Jeder weiß nur wie er sie für sich wahrnimmt. Und das wiederum hängt von der Lebensweise und von den Erfahrungen ab, die ein Mensch gemacht hat. Während für einen Schirennfahrer 80 km wahrscheinlich eher langsam ist, sind für jemanden der gerade den Grundkurs hinter sich hat 20 km raketenschnell. Ein Marathonläufer wird nach 5 km in seiner Wahrnehmung erst aufgewärmt sein, während für einen 180 kg Menschen 500 m die äußerste Grenze der menschlichen Belastbarkeit darstellen. Das gleiche gilt für jede andere Situation im Leben. Sie müssen versuchen, so weit es geht die Adaptationsbasis Ihrer Umwelt herauszufinden. Wie? Durch Kommunikation und Beobachtung.
Eigentlich ist es unmöglich, dass jemand keine Anweisungen, Signale oder Hinweise bekommt wie er wahrgenommen wird und sich verhalten soll. Es ist immer so, dass irgendetwas passiert. Handlungsaufforderungen gegeben werden – es gibt immer ein Interaktionsmuster, ein Feedback, und wir interpretieren es aufgrund unserer Selbsterkenntnis. Ich möchte Sie bitten einmal eine Zeit lang Ihr Selbst und Ihren Bezugsrahmen im Verhältnis zu Ihrer Umgebung zu erkennen. Und prinzipiell sollten Sie nie vergessen:
Wahrheit und Realität sind subjektiv, weil sie von uns interpretiert werden.

 

Eine wirklich gute Möglichkeit der Selbsterkenntnis, die auch vor allem sofort praktische Vorteile bringt ist die Methode des Johari Fensters.

Das "Johari-Fenster" (nach den amerikanischen Sozialpsychologen Joseph Luft und Harry Ingham, University of California) verdeutlicht, dass sich  die Selbstwahrnehmung (wie wir glauben, uns selbst zu kennen) und die Fremdwahrnehmung (wie unsere Mitmenschen unser selbst wahrnehmen) sich nicht entsprechen, sondern, dass es Bereiche in unserem Verhalten gibt, in denen wir anderen Mitteilungen über uns selbst geben, die uns selbst unbewusst bleiben.

Aber es ist auch umgekehrt genauso. Wir verbergen bewusst Informationen über uns selbst vor anderen, die dann für diese unbewusst bleiben.

Das, wir also vom Verhalten einer Person in einer Situation jeweils wahrnehmen, ist also nur ein Bruchteil dessen, was für sie in dieser Situation Bedeutung hat. Aber wir nehmen gleichzeitig auch mehr war von dieser Person als diese glaubt uns mitzuteilen.

Ich hoffe ich habe Sie jetzt mit der Theorie verwirrt;-)
Aber die Praxis ist Gott sei Dank noch viel schwieriger als die Theorie. Warum – weil sie dynamisch ist. Das heißt die Anteilsmäßige Größe von A, B, C und D ändern sich ständig.

Johari Fenster

Es ist ein äußerst hilfreiches Modell zur Selbsterkenntnis und auch zum Selbstbewusstsein, wenn wir davon ausgehen, dass wir aus diesen "vier Fenstern" bestehen.

Also wir bestehen aus dem Bereich:

A: Es ist der öffentliche Teil unserer Person. Es ist der Bereich der uns selbst und auch anderen bekannt ist. Je größer dieser Anteil ist, umso besser. Warum? Weil wir uns in diesem Bereich selbstbewusst und ohne Ängste bewegen. Alles was in diesem Bereich ist wissen wir selbst und wir wissen, dass es auch die anderen wissen. Also bewegen wir uns frei und sicher.

B: Ist der für andere geheime Bereich. Er ist nur uns bekannt. Bei paranoiden Menschen ist dieser Bereich sehr groß ausgeprägt. Es ist der Bereich in dem wir Angst haben. Hier verstecken wir unserer Lügen, unsere Unzulänglichkeiten und Ängste. Wenn dieser Bereich klein ist bei jemandem, dann empfinden wir diesen Menschen als ehrlich, als kongruent. Weil dieser Mensch sich wohl fühlt, weil er nicht ständig darüber nachdenken muss was er wo und vor wem verbergen muss.

C: Ist der für andere offenkundige Bereich, aber für uns selbst ist es der blinde Fleck. Hier legen wir ein Verhalten offenkundig, das aus unserem Unterbewusstsein kommt. Und zwar mit unserer Sprache im verbalen Sinn, wie auch durch unsere Körpersprache ohne das es uns selbst bewusst wird. Als simples Beispiel: Einem Raucher fällt sein Raucherhusten gar nicht auf (zumindest nie so stark) – dem Nichtraucher schon, weil er eine ganz andere unbewusste Einstellung hat. Dem Redner der nach jedem zweiten Wort "äähhh" sagt, fällt dieser Fehler nicht auf, dem Publikum meistens schon. Oft sind wir im bereich des blinden Fleckes auch nicht einmal fähig ein Feedback zu akzeptieren, weil uns der Fauxpas einfach unbewusst ist und wir es deshalb nicht glauben.

D: Ist der unbewusste Bereich. Während für uns selbst bei C schon der unbewusste Bereich beginnt ist D auch für andere unbewusst und nicht einsehbar. Jemand anders weiß nämlich auch nicht warum wir Rauchen;-)
Hier bietet die Hypnose den einzigen Zugang um diesen Bereich zu verkleinern. Allerdings auch nur, und wirklich nur, unter der Prämisse, das jemand auch selbst dazu bereit ist den Bereich B nur noch als Zwischenspeicher zu nutzen. Es gibt ja zahlreiche Trainings und Versuche über Feedback den Bereich D zu öffnen, allerdings funktioniert dies nur in den Büchern und in den Trainings. In Büchern deshalb weil ein Buch statisch ist – also ohne Folgeproblem. In Trainings deshalb, weil sich nicht mehr der Trainer mit dem Folgeproblem herumschlagen muss, sondern jemand anderes;-)